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24h Rennen 2012 Rückblick eines Streckensprechers

Autor Nachricht
Verfasst am: 22. 05. 12 [15:37]
Quasselstrippe
Swen Wauer
Themenersteller
Dabei seit: 22.05.2012
Beiträge: 1
Bepackt mit Informationsordnern aller Herren Länder sowie meinen 3 Kindern inkl. Hund, reise ich am Donnerstagmorgen zur 40. Jubiläumsausgabe der 24 Stunden zum Nürburgring. Den Wohnwagen aufgebaut und auf geht es in die ersten Sessionen – Donnerstag die erste Hälfte des Q1 und Freitag das Q2, das war der erste Part des Sprecherfahrplans. Gemeinsam mit meinem Freund und Kollegen Lukas Gajewski gehen unsere ersten beiden Schichten fast schon viel zu schnell rum – wohl wissentlich, dass wir das TOP 40 Qualifying am Abend mit Argusaugen am Bildschirm verfolgen werden. Mein erstes großes AH-Erlebnis war jedoch schon Freitagmorgen – ein Anruf von der Polizei aus meiner Heimat: „In der vergangenen Nacht wurde die Schaufensterscheibe Ihres Ladenlokals zerstört.“. Vielen Dank für´s Gespräch – es soll aber alles sicher abgedichtet worden sein, ich könne bedenkenlos bis Sonntag am Nürburgring bleiben. Sehr beruhigend…

Samstag – Ausschlafen… nicht so wirklich! Lukas eh nicht – er spricht mit Burkhard Bechtel zusammen das Porsche- / Renault Clio-Cup Rennen, aber mich haut es auch schon früh aus den Federn; viel zu groß ist die (Vor)freude auf das, was ab ca. 13.30 Uhr passieren wird. Startaufstellung, Startvorbereitung, Berichterstattung aus der Aufstellung und natürlich: „Breitscheid“. Bereits ab etwa 10 Uhr bin ich wieder oben bei Start & Ziel. Meine beiden Mädchen verweilen mit Hund weiter am Wohnwagen – nicht so ganz verständnisvoll mit den Worten: „Warum denn Papa? Du bist doch erst ab 14 Uhr dran?!“ – der Sohnemann sieht das etwas anders: „Ich bin schonmal oben!“ tönt es mir entgegen. Blick zur Uhr: 9.22 Uhr – das zum Thema Motivation…

Im vergangenen Jahr was mein guter Freund Frank Hufstadt in der Startphase am tiefsten Punkt der Strecke – dieses Jahr lässt er die „Rollende Sprecherkabine“ wieder aufleben und fährt dabei sogar den Start des Langstreckenklassikers. Somit hatte ich wieder die große Ehre, auch diese Tradition weiterleben zu lassen. Natürlich war mir klar, dass ich ihn in der Startaufstellung vorher zum Interview bitten würde. Danach Abflug nach Breitscheid; die gute, alte Holzhütte – keine Bildschirme, Bilder, Zeiten oder sonstige Hilfsmittel. Nur die eigens mitgenommene Starterliste, Startaufstellung und das Mikro. Auf dem Weg dorthin wird mir dann mitgeteilt, dass die alte Hütte einer „moderneren Bude“ weichen musste. Ok, für die Marshalls am Hauptposten sicherlich eine Aufwertung, aber auch die sind nicht sooo glücklich über die Veränderung. Mit dem Eintreffen dort, haut es mir bald die Zähne aus dem Kiefer. Kein modriger Holzgeruch mehr, ein Kleinbildfernseher mit DVBT-Empfang – das Feeling droht verloren zu gehen. Ja, die Technik; ich hätte es mir denken können. Ändere ich jetzt meinen Plan der Kommentierung? Falle ich nun ins technische Schema, in dem ich mich auch von dort mit Livebildern melde? Nein, ich entschließe mich dazu, einfach nur auf die Strecke und die umliegenden faszinierenden Emotionen der Fans zu konzentrieren, wenn ich mich von hier melde.

Ich melde mich das erste Mal aus Breitscheid noch bevor die erste Gruppe auf die Reise geht, danach noch in der Einführungsrunde der Startgruppen eins und zwei. Nach der zweiten Rennrunde gebe ich final wieder hoch zu Start und Ziel, schaffe es aber zeitlich nicht mehr, meinem Versprechen nach zu kommen, mich bei den „schrägen Zelten“ nach dem technischen Zustand zu erkundigen.
Die weiteren Schichten von 19 bis 21 Uhr, 5 bis 7 und 11 bis 13 Uhr sind weiterhin sehr ereignisreich und machen einfach nur Spaß – mit Ausnahme der zu kommentierenden Unfälle, denn DIE hätten wir wahrlich nicht gebraucht.

Sonntag, 13.40 Uhr – das Ziel rückt näher; mein Telefon klingelt: „Papa, wir sind hier bei den Sanitätern, es hat einen kleinen Unfall gegeben! Komm´ bitte mal ins Medical-Center.“…
Ein Trampolin, zwei Kinder innen stehend, von Außen hageln Bälle rein – Ballausweichen nennt sich angeblich das Spiel – Papa ist ja arbeiten. Kinn gegen Oberkante Kopf – ich nenne das dann offene Wunde am Kopf. Vielen Dank an den leitenden Doc, denn mit einem Stich ist das Loch wieder gestopft. Nun kippt auch die Große leichenblass aus den Schuhen, somit hatte er gleich den zweiten Patienten aus einer Familie im „Abwasch“. Eine Flasche Wasser und 20 Minuten Ruhe, dann war auch sie wieder auf den Beinen.
Um 14.20 Uhr darf ich mich wieder auf das Wesentliche beschränken. Ich bin inkl. der Kinder wieder in der Sprecherkabine und fiebere nun der letzten Stunde des Rennens entgegen.

15.00 Uhr – meine letzte Schicht an diesem Wochenende. Diese Schlussstunde ist für mich eine absolute Herzensangelegenheit. Kalli Hufstadt, Rainer Braun, Peter Theisen – ich habe seit Urzeiten diese Stimmen im Ohr; vor allem, wenn es um diese letzte Stunde geht. 2004 das letzte Mal die Stimme von Peter in diesen irren 60 Minuten.
Bisher war das Jahr ´05 das für mich Emotionalste – das Jahr Eins nach Peter Theisen und ICH durfte dieses schwere Erbe antreten. Bloß nicht drüber nachdenken, als ich damals das Mikro für diese Stunde anschaltete. Es mag sich blöd anhören, aber ich glaube, er hat mich damals immer noch begleitet und irgendwie ist das bis Heute so geblieben.

In diesem Jahr eine der, vielleicht sogar DIE verrückteste letzte Stunde der Geschichte. Schon beim Beginn um 15 Uhr hatte ich den Eindruck, dass noch viel passieren wird. 25 Minuten vor Rennende fiel mir im Kampf um Platz 4 diese deutlich schnellere Rundenzeit des Heico Mercedes auf, der dem Wochenspiegel Porsche auf den Pelz rückte. Hochrechnung mit offenem Visier und Mikro: „Wenn das so weiter geht, wird das noch eine brutal enge Geschichte in der letzten Runde beim Kampf um die vierte Gesamtposition! Das wird eine Jagd bis zur Ziellinie!“. Immer wieder machen sich während dessen noch Fahrzeuge, Fahrer und Teams auf den Weg zurück zur Rennstrecke, die eigentlich schon ausgeschieden waren oder sind. Aber die letzten Minuten will keiner auf der Strecke verpassen, wenn sich das irgendwie einrichten lässt. Mitten in diese Impressionen und Emotionen aus der Sprecherkabine geht es auf dem Livebild weiter mit den Onboardbildern des Drittplatzierten Heico Mercedes und dann das: „Weißer Rauch aus der Motorhaube und das Auto rollt aus! Schluss und Vorbei ist es mit dem Traum des Podiums!“ – gleichzeitig der Kampf des Schwesterautos um die plötzlich vakante dritte Position – die weiteren Autos, die um die Strecke schleichen, um ja nicht noch eine weitere Runde fahren zu müssen – ein Auto, das sich immer noch mit einem Plattfuß um die Strecke quält „Mensch, bring das Ding irgendwie hier oben rauf!“, rutscht es mir raus. Einer, der im Schwalbenschwanz mit Motorschaden kurz vor Schluss ausrollt „Da verreckt die Karre so kurz vor dem Ende!“ – sorry, für diese Ausdrucksweise, ich habe mir die Entschuldigung gespart, denn ich leide völlig mit und meine Stimme bricht aus mehreren Gründen schon fast weg. Schluck Wasser? Keine Chance, seit 15 Uhr keine Sekunde Zeit dafür gehabt. Der Honda Civic Type R mit dem Reifenschaden läuft wieder auf vier Rädern – zum Glück, wenigstens hier hat man es geregelt bekommen.

15:59:00 – Christian Frings aus der Technik unterlegt diese letzte Minute mit der Finalmusik, die eigentlich nur Peter in den letzten 60 Sekunden bekam – mir läuft es eiskalt den Rücken rauf und runter; bereits 2005 hörte ich diese Musik und jetzt erneut…
Der Einlauf als solches mit dem Duell Porsche gegen Mercedes ist Geschichte und wird wohl legendär sein. In diesem dezenten Durcheinander entgeht mir fast der Gesamtsieger – erst die Böller haben mich daran erinnert, dass der Phoenix-Audi gerade vor meiner Nase ins Ziel fährt.

Nach dem Rennen spreche ich mit Kenneth Heyer in der Boxengasse: „Im Bereich Wehrseifen ist uns ein Hase vor´s Auto gelaufen. Mit Tempo 100 war das für Beide nicht sehr gesund. Da war der Kühler hin.“.
Zumindest habe ich während der weiteren Einläufe noch einige Teams begrüßen dürfen, viele sind mir natürlich auch verwehrt geblieben, weil sie oft im Pulk kamen. Aber einige Highlights habe ich noch erwähnen können, z.b. der Ford Fiesta, der für die Schlussrunde die Fahnen am Auto hatte, unsere Opel Manta Freunde mit immer noch in gänzlicher Länge vorhandenen Fuchsschwanz, Titus giftgrüne Chrysler Viper, um nur ein paar zu nennen.

Meine Ordner waren erst gar nicht mehr ausgepackt, in dieser Schlussstunde hatte ich nichts mehr auf dem Tisch liegen, ausser die Starterliste – und selbst in diese ist kaum ein Blick verschwunden. Es war einfach nur Emotion pur.

Danke an Alle für dieses Ereignis und an meine Sprecherkollegen Jörg Henning, Lukas Gajewski, Frank Hufstadt und Wolfgang Drabiniok. Vor allem dafür, dass Ihr so viel Verständnis für mich habt, dass ich aus einer Herzensangelegenheit diese Schlussstunde machen möchte.

Power aus dem Tower...
Verfasst am: 22. 05. 12 [16:46]
reklov
Volker
Dabei seit: 24.02.2005
Beiträge: 25
Vielen Dank für alles, was Ihr uns auf die Ohren gabt und gebt.

Das akustische Empfangsgerät ist bei jeder Reise zum Ring das Erste, was ins Gepäck wandert.

Ring-Radio ist ein absolutes MUSS, dass muss EUCH erstmal jemand nachmachen.

Mein lieber Kokoschinski!o)

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 22.05.2012 um 16:54.]

Gruß
reklov

Wehr Rechtzschreipfeller vinted dav sIeh behallden!
Verfasst am: 23. 05. 12 [19:08]
mchooch
Dylan
Dabei seit: 25.03.2010
Beiträge: 1
Jupp Kompliment an das Ringradio.




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